• Museum Fort VII - Colomb
Das Museum Fort VII – Colomb in Posen (polnisch: Poznań) erinnert an das nationalsozialistische Lager, das von 1939 bis 1944 in der ehemaligen preußischen Festung Fort VII bestand. In dieser Festung ermordete die SS Ende 1939 erstmals Patienten psychiatrischer Kliniken durch Giftgas.
Bild:Posen, 1939, Umbenennung von Straßen, Bundesarchiv, Bild 183-E11572
Posen, 1939, Umbenennung von Straßen, Bundesarchiv, Bild 183-E11572

Bild:Posen, 2010, Haupteingang des Forts VII, Muzeum Martyrologii Wielkopolan Fort VII
Posen, 2010, Haupteingang des Forts VII, Muzeum Martyrologii Wielkopolan Fort VII
Die Region um Posen gehörte seit der Zerschlagung Polens Ende des 18. Jahrhunderts zu Preußen und wurde nach dem Ersten Weltkrieg wieder polnisch. Nach dem Angriff der deutschen Wehrmacht auf Polen im September 1939 wurde das Gebiet erneut dem Deutschen Reich angegliedert und als »Warthegau« verwaltet. Im Oktober 1939 errichtete die Sicherheitspolizei (SiPo) ein Haftlager im Fort VII (auch Fort Colomb genannt), eine der 18 preußischen Festungen, die Posen seit Ende des 19. Jahrhunderts umgaben. Bis Mitte November 1939 sperrte die SiPo vor allem Angehörige der polnischen Oberschicht im »Konzentrationslager Posen« ein. Die meisten Häftlinge wurden innerhalb weniger Tage hingerichtet.
Von Oktober bis vermutlich Dezember 1939 ermordete die SS etwa 400 Patienten psychiatrischer Anstalten in Treskau (polnisch: Owińska) und Posen durch Giftgas, vermutlich Kohlenmonoxid. Dieses Verbrechen war der erste Massenmord durch Giftgas an Zivilisten überhaupt.
Ab Ende 1939 änderte der NS-Sicherheitsapparat mehrfach den Namen und die Bestimmung des Lagers. Bis etwa Mitte 1941 hielt die Gestapo vor allem polnische Widerstandskämpfer im »Übergangslager« gefangen. Meist blieben die Häftlinge mehrere Monate vor Ort bevor sie hingerichtet oder in andere Lager überstellt wurden. Ab Mai 1941 war das Fort VII »Arbeitserziehungslager«; die meisten Häftlinge waren Polen, die sich der Zwangsarbeit im »Dritten Reich« verweigerten. Ab März 1943 mussten Häftlinge des Forts VII beim Aufbau des Gestapo-Lagers in Posen-Poggenburg (bis 1939: Żabikowo) Zwangsarbeit leisten. Im April 1944 wurden alle Häftlinge dorthin verlegt, und das Lager im Fort VII aufgelöst. An seiner Stelle entstand eine Fabrik der Firma Telefunken, in der auch Zwangsarbeiter beschäftigt wurden.
Bild:Posen, 1939, Umbenennung von Straßen, Bundesarchiv, Bild 183-E11572
Posen, 1939, Umbenennung von Straßen, Bundesarchiv, Bild 183-E11572

Bild:Posen, 2010, Haupteingang des Forts VII, Muzeum Martyrologii Wielkopolan Fort VII
Posen, 2010, Haupteingang des Forts VII, Muzeum Martyrologii Wielkopolan Fort VII
Im Fort VII hielt die SS hauptsächlich Polen gefangen: Anfangs Angehörige der Oberschicht und der Bildungseliten, später solche, die gegen Besatzungsbestimmungen verstoßen hatten oder im Verdacht standen, politisch oder militärisch Widerstand zu leisten. Viele wurden im Fort VII hingerichtet, andere starben an Folter oder an den widrigen Lebensbedingungen. Mindestens zweimal wüteten Typhusepidemien im Lager, die viele der unterernährten und geschwächten Häftlinge dahinrafften.
Zwischen Oktober und Dezember 1939 ermordete die SS etwa 400 psychisch Kranke mit Giftgas.
Wie viele Häftlinge insgesamt im Fort VII inhaftiert waren oder vor Ort ums Leben kamen, ist nicht bekannt, da die Nationalsozialisten vor ihrem Abzug alle Unterlagen vernichteten. Lediglich 479 Opfer des Lagers sind namentlich bekannt. Es wird allerdings vermutet, dass etwa 18.000 Häftlinge das Lager durchliefen, von denen etwa 4.500 umkamen. Einige Historiker gehen von viel höheren Zahlen aus.
Bild:Posen, 1946, Gedenkveranstaltung mit Hinterbliebenen Ermordeter, Muzeum Martyrologii Wielkopolan Fort VII
Posen, 1946, Gedenkveranstaltung mit Hinterbliebenen Ermordeter, Muzeum Martyrologii Wielkopolan Fort VII

Bild:Posen, 2010, Eingang zum Museum, Muzeum Martyrologii Wielkopolan Fort VII
Posen, 2010, Eingang zum Museum, Muzeum Martyrologii Wielkopolan Fort VII
Posen gehört seit Ende des Zweiten Weltkrieges wieder zu Polen und ist als Hauptstadt der Woiwodschaft Großpolen (polnisch: województwo wielkopolskie) eine der wichtigsten Städte des Landes. Nach dem Krieg wurde die Festungsanlage als Materiallager der polnischen Volksarmee genutzt, das Gelände war für Besucher gesperrt. 1963 entstand nach Bemühungen der Organisation ehemaliger Widerstandskämpfer eine erste Erinnerungsstätte im Fort VII, die an bestimmten Tagen im Jahr für die Öffentlichkeit zugänglich war. Erste Pläne für ein Museum im Fort VII entstanden 1976, drei Jahre später konnte das Muzeum Martyrologii Wielkopolan Fort VII (wörtlich: Museum des Märtyrertums der Großpolen Fort VII) eröffnet werden. Das Museum befindet sich unter der Obhut des Großpolnischen Museums der Unabhängigkeitskämpfe in Posen (Wielkopolskie Muzeum Walk Niepodległościowych w Poznaniu), zu der auch andere historische Stätten gehören, die an Ereignisse wie die Unabhängigkeitskämpfe 1918/19 oder den Posener Arbeiteraufstand 1956 erinnern. Im Fort VII wird anhand von Alltagsgegenständen, aber auch mit nachgestellten Szenen das Leid der Opfer thematisiert. Wichtigster Erinnerungsort ist die »Todeswand«, an der viele Häftlinge erschossen wurden.
Bild:Posen, 2010, Die »Todeswand«, an der viele Häftlinge erschossen wurden, Muzeum Martyrologii Wielkopolan Fort VII
Posen, 2010, Die »Todeswand«, an der viele Häftlinge erschossen wurden, Muzeum Martyrologii Wielkopolan Fort VII

Bild:Posen, 2010, Zellengang im Fort VII, Muzeum Martyrologii Wielkopolan Fort VII
Posen, 2010, Zellengang im Fort VII, Muzeum Martyrologii Wielkopolan Fort VII
Name
Muzeum Martyrologii Wielkopolan - Fort VII
Adresse
al. Polska
60-591 Poznań
Telefon
+48 (61) 848 313 8
Fax
+48 (61) 848 313 8
Web
http://www.muzeumniepodleglosci.poznan.pl/
E-Mail
mmw@muzeumniepodleglosci.poznan.pl
Öffnungszeiten
Dienstag bis Freitag: 10.00 bis 17.00
Samstag und Sonntag: 10.00 bis 15.00
Montags geschlossen.
Angebot
Dauerausstellung