• Holocaustmuseum
In der ukrainischen Hafenstadt Odessa am Schwarzen Meer dokumentiert das Holocaustmuseum das Schicksal der Juden Odessas im Zweiten Weltkrieg. Mindestens die Hälfte der 180.000 Juden Odessas kam im Holocaust ums Leben.
Bild:Odessa, 2012, Blick in die Ausstellung: Jüdisches Leben vor dem Holocaust, Stiftung Denkmal
Odessa, 2012, Blick in die Ausstellung: Jüdisches Leben vor dem Holocaust, Stiftung Denkmal

Bild:Odessa, 2012, Eingangsbereich des Museums, Stiftung Denkmal
Odessa, 2012, Eingangsbereich des Museums, Stiftung Denkmal
Die Hafenstadt Odessa am Schwarzen Meer stieg während des 19. Jahrhunderts zu einem bedeutenden kulturellen Zentrum des russischen Judentums auf, viele jüdische Intellektuelle und Schriftsteller lebten hier. Unmittelbar vor dem Zweiten Weltkrieg lebten in Odessa etwa 180.000 Juden, mehr als ein Drittel der Gesamtbevölkerung. Nach mehrwöchiger Belagerung nahmen am 16. Oktober 1941 verbündete deutsche und rumänische Truppen die Stadt ein. Von nun an stand Odessa unter rumänischer Besatzung und wurde Hauptstadt des Besatzungsgebiets Transnistrien. Ein Teil der Juden hatte zuvor fliehen können, wahrscheinlich befanden sich am Tag der Besetzung zwischen 80.000 und 100.000 Juden in der Stadt. Mit den rumänischen Truppen zog das SS-Sonderkommando (SK) 11b in Odessa ein. Am folgenden Tag zwangen die Rumänen alle Juden, sich registrieren zu lassen. Viele wurden verhaftet, jüdische Intellektuelle sofort hingerichtet. Als am 22. Oktober 1941 eine Bombe in einem Verwaltungsgebäude explodierte und 67 Personen tötete, darunter rumänische und deutsche Offiziere, reagierte die Besatzungsmacht brutal: Kurz nach dem Anschlag verfolgten rumänische Soldaten Juden in der gesamten Stadt und erschossen oder erhängten sie. Auf einem abgesperrten Teil des Hafens erschossen rumänische Soldaten zwischen 10.000 und 23.000 Juden. Das SK 11b beteiligte sich an den tagelangen Massakern: Rumänische Gendarmen brachten etwa 2.000 verhaftete Juden an einen stillgelegten Brunnenschacht. Hier erschossen die SS-Männer alle Juden, die Leichen fielen in den Schacht. Ende Oktober 1941 mordeten die Rumänen außerhalb der Stadt weiter: rumänische Einheiten trieben zwischen 16.000 und 20.000 Juden aus Odessa in den Ort Dalnik und ermordeten sie. Die etwa 35.000 verbliebenen Juden wurden im November 1941 in zwei Ghettos zusammengedrängt, viele von ihnen starben. Ende 1941 wurden alle Ghettobewohner nach Transnistrien, den rumänisch besetzten Teil der Ukraine deportiert und im Lager Bogdanowka ermordet.
Bild:Odessa, 2012, Blick in die Ausstellung: Jüdisches Leben vor dem Holocaust, Stiftung Denkmal
Odessa, 2012, Blick in die Ausstellung: Jüdisches Leben vor dem Holocaust, Stiftung Denkmal

Bild:Odessa, 2012, Eingangsbereich des Museums, Stiftung Denkmal
Odessa, 2012, Eingangsbereich des Museums, Stiftung Denkmal
Rumänische Soldaten und Verbände der SS-Einsatzgruppe D ermordeten mindestens 70.000 Juden. Etwa 20.000 Juden wurden aus Odessas Ghettos deportiert und kamen in Transnistrien um.
Bild:Odessa, 2012, Modell eines Lagers in Transnistrien, Stiftung Denkmal
Odessa, 2012, Modell eines Lagers in Transnistrien, Stiftung Denkmal

Bild:Odessa, 2012, Blick in die Ausstellung, Stiftung Denkmal
Odessa, 2012, Blick in die Ausstellung, Stiftung Denkmal
In Odessa erinnern mehrere Denkmäler an das Schicksal der Juden aus der Hafenstadt. Das Holocaustmuseum Odessa wurde am 22. Juni 2009 eröffnet und geht auf die Initiative verschiedener jüdischer Organisationen sowie von ehemaligen Ghetto- und Lagerhäftlingen zurück.
Die Dauerausstellung bietet zuerst eine allgemeine Einführung zum Holocaust, im weiteren Verlauf bildet das Schicksal der Juden in Odessa und Transnistrien den Schwerpunkt der Erzählung. Dabei werden viele Lager und Orte von Massenerschießungen in Transnistrien vorgestellt. Weitere Themen der Ausstellung sind jüdische Lebenswelten vor dem Holocaust, jüdische Soldaten in der Roten Armee und »Gerechte unter den Völkern«, also Judenretter. Neben der Dauerausstellung bietet das Museum Audio- und Video-Interviews, eine Bibliothek und einen Gedenkraum.
Bild:Odessa, 2012, Blick in die Ausstellung, Stiftung Denkmal
Odessa, 2012, Blick in die Ausstellung, Stiftung Denkmal

Bild:Odessa, 2012, Blick in die Ausstellung: Jüdische Soldaten in der Roten Armee, Stiftung Denkmal
Odessa, 2012, Blick in die Ausstellung: Jüdische Soldaten in der Roten Armee, Stiftung Denkmal
Name
Oдесский Музей Холокоста
Adresse
Malaja Arnautskaja ul, 111
65007 Odessa
Telefon
+38(048)722 60 97
Web
http://holocaust.od.ua/
E-Mail
museum-holocaust@mail.ru
Öffnungszeiten
Dienstags bis Freitags 11.00 bis 18.00
Sonntags 10.00 bis 14.00
Samstags und Montags geschlossen.
Angebot
Führungen, pädagogische Angebote, Veranstaltungssaal, Bibliothek