• KZ-Gedenkstätte Kaltenkirchen in Springhirsch
In Springhirsch, einem Ortsteil der Gemeinde Nützen, befindet sich seit 2000 eine Gedenkstätte auf dem ehemaligen Gelände des KZ-Außenlagers Kaltenkirchen. In diesem Lager mussten bis zu 1.000 Häftlinge von 1944 bis 1945 Zwangsarbeit leisten.
Bild:Nützen, vermutlich Anfang 1950er Jahre, Eine als Gaststätte genutzte ehemalige Lagerbaracke (1972 abgerissen), KZ-Gedenkstätte Kaltenkirchen
Nützen, vermutlich Anfang 1950er Jahre, Eine als Gaststätte genutzte ehemalige Lagerbaracke (1972 abgerissen), KZ-Gedenkstätte Kaltenkirchen

Bild:Nützen, 2005, Die 1997 freigelegten Überreste der Wasch- und Latrinenbaracke mit Leichenablageplatz, KZ-Gedenkstätte Kaltenkirchen
Nützen, 2005, Die 1997 freigelegten Überreste der Wasch- und Latrinenbaracke mit Leichenablageplatz, KZ-Gedenkstätte Kaltenkirchen
Auf Betreiben der Luftwaffe richtete die SS im August 1944 im Ort Springhirsch bei Kaltenkirchen ein Außenlager des Konzentrationslagers (KZ) Neuengamme ein. Hierzu diente ein bereits bestehendes Barackenlager der Luftwaffe in der Nähe des Militärflugplatzes Kaltenkirchen. Die Wehrmachtsführung hatte beschlossen, den Flugplatz umbauen zu lassen und hatte dazu bei der SS Arbeitskräfte angefordert.
Im August 1944 traf ein erster Transport mit etwa 500 Häftlingen aus Neuengamme in Kaltenkirchen ein. Die Häftlinge wurden durch den Ort in das 10 Kilometer entfernte Springhirsch getrieben und in das neu eingerichtete Außenlager Kaltenkirchen gebracht. Die Häftlinge mussten in Kaltenkirchen Zwangsarbeit leisten: Sie mussten die Start- und Landebahnen des Flugplatzes für den Einsatz eines neuen Jagdflugzeuges verlängern und nahmen vor allem Ausschachtungs- und Planierarbeiten vor. Die schwere körperliche Arbeit, der tägliche lange Marsch zur Baustelle und die mangelhafte Versorgung führten zu vielen Krankheiten und Todesfällen im Lager. Anfang 1945 löste SS-Hauptsturmführer Bernhard Waldmann den bisherigen Lagerkommandanten Otto Freyer ab. Er verschärfte die Bedingungen für die Häftlinge erheblich: Die Lebensmittelrationen wurden gekürzt, die tägliche Arbeitszeit von acht auf zehn bis elf Stunden erhöht. Die Zahl der Toten stieg. Zu den Wachmannschaften gehörten nur zwei weitere SS-Männer, die Bewachung der KZ-Häftlinge wurde von etwa 58 Luftwaffensoldaten übernommen. Am 17. April 1945 ließ die SS das Lager räumen. Die Häftlinge mussten zu Fuß Richtung Norden marschieren. Von dort aus wurden sie in Viehwaggons in das KZ Wöbbelin gebracht.
Bild:Nützen, vermutlich Anfang 1950er Jahre, Eine als Gaststätte genutzte ehemalige Lagerbaracke (1972 abgerissen), KZ-Gedenkstätte Kaltenkirchen
Nützen, vermutlich Anfang 1950er Jahre, Eine als Gaststätte genutzte ehemalige Lagerbaracke (1972 abgerissen), KZ-Gedenkstätte Kaltenkirchen

Bild:Nützen, 2005, Die 1997 freigelegten Überreste der Wasch- und Latrinenbaracke mit Leichenablageplatz, KZ-Gedenkstätte Kaltenkirchen
Nützen, 2005, Die 1997 freigelegten Überreste der Wasch- und Latrinenbaracke mit Leichenablageplatz, KZ-Gedenkstätte Kaltenkirchen
Die größten Gruppen im Außenlager Kaltenkirchen bildeten die sowjetischen und französischen Häftlinge. Außerdem kamen Gefangene aus Polen, Deutschland sowie einige wenige aus Belgien, Italien und Jugoslawien. Wie viele Menschen insgesamt das Außenlager Kaltenkirchen durchliefen ist unklar: Die Belegung lag meistens bei 500, aufgrund der hohen Kranken- und Sterberate kamen immer wieder neue Häftlinge aus dem Stammlager Neuengamme an. Kurz vor der Räumung des Lagers befanden sich bis zu 1.000 Häftlinge dort. 171 Todesopfer des Außenlagers Kaltenkirchen sind namentlich bekannt. Nach Aussagen von Überlebenden kann jedoch von über 500 Todesopfern ausgegangen werden.
Bild:Nützen, 2008, Gedenksteine, KZ-Gedenkstätte Kaltenkirchen
Nützen, 2008, Gedenksteine, KZ-Gedenkstätte Kaltenkirchen

Bild:Nützen, 2005, Die Steinskulptur »Drehstein«, KZ-Gedenkstätte Kaltenkirchen
Nützen, 2005, Die Steinskulptur »Drehstein«, KZ-Gedenkstätte Kaltenkirchen
Nach dem Krieg wurden die Baracken des Außenlagers abgerissen, die Gräberstätte in Moorkaten, wo viele der KZ-Häftlinge begraben liegen, wurde als »Kriegsgräberstätte« angesehen. 1975 bildete sich eine »Historische Arbeitsgruppe« unter der Leitung von Gerhard Hoch. Die Gräberstätte Moorkaten wurde 1978 umgestaltet, der Name »Kriegsgräberstätte« jedoch erst 1992 in »Gräberstätte für Kriegsgefangene und KZ-Opfer« geändert. 1994 wurde durch Zufall eine Betonplatte auf dem Gelände des ehemaligen Außenlagers gefunden, das bis zu diesem Zeitpunkt von einem Wald überwuchert war. Daraufhin wurden Fundamente von Gebäuden des ehemaligen Lagers entdeckt. Seitdem engagierten sich Bürger für den Bau einer Gedenkstätte, im Juli 1999 konnte mit Hilfe der Stadt Kaltenkirchen der »Trägerverein für die KZ-Gedenkstätte Kaltenkirchen in Springhirsch« gegründet werden. Am 30. April 2000 eröffnete die Gedenkstätte. Seit 2002 gibt es ein »Dokumentenhaus« und mehrere Steinskulpturen von Ingo Warnke auf dem Gelände.
Bild:Nützen, 2009, Eingang zum Rundgang über das Gelände, KZ-Gedenkstätte Kaltenkirchen
Nützen, 2009, Eingang zum Rundgang über das Gelände, KZ-Gedenkstätte Kaltenkirchen

Bild:Nützen, 2008, Die Steinskulptur »Hungerstein«, KZ-Gedenkstätte Kaltenkirchen
Nützen, 2008, Die Steinskulptur »Hungerstein«, KZ-Gedenkstätte Kaltenkirchen
Name
KZ-Gedenkstätte Kaltenkirchen in Springhirsch
Adresse
Ortsteil Springhirsch, an der B4
24568 Nützen
Telefon
+49 (0)4191 723 428
Web
http://www.kz-kaltenkirchen.de
E-Mail
nachricht@kz-kaltenkirchen.de
Öffnungszeiten
Das Gelände der Gedenkstätte ist jederzeit zugänglich. Öffnungszeiten des Dokumentenhauses: Werktage 9.00 bis 17.00, Sonntags und Feiertags 11.00 bis 17.00
Angebot
Ausstellungen, Führungen