• Mahnmal Gleis 17 – Berlin Grunewald
Am westlichen Stadtrand von Berlin befindet sich der S-Bahnhof Grunewald. Von diesem Bahnhof aus fuhren von Herbst 1941 bis vermutlich Frühjahr 1942 Deportationszüge mit Berliner Juden in Ghettos und Vernichtungslager im Osten. Das von der Deutschen Bahn initiierte Mahnmal Gleis 17 erinnert an die Deportationstransporte der Deutschen Reichsbahn.
Bild:Berlin, 1938, Antisemitische Hetze im Straßenbild, Stiftung Neue Synagoge Berlin – Centrum Judaicum
Berlin, 1938, Antisemitische Hetze im Straßenbild, Stiftung Neue Synagoge Berlin – Centrum Judaicum

Bild:Berlin-Grunewald, 2006, Mahnmal Gleis 17, Stiftung Denkmal
Berlin-Grunewald, 2006, Mahnmal Gleis 17, Stiftung Denkmal
Am 18. Oktober 1941 begannen das Reichssicherheitshauptamt in Zusammenarbeit mit dem Reichsverkehrsministerium damit, Juden aus Berlin zu deportieren. An diesem Tag verließ ein Sonderzug der Deutschen Reichsbahn mit mehr als 1.000 Berliner Juden den Bahnhof Grunewald. Ziel dieses ersten Transportes war das Ghetto Lodz. Polizei und SS hatten zuvor den Transport in einem jüdischen Sammellager, das sich in der Synagoge in der Levetzowstraße im Bezirk Moabit befand, zusammengestellt. Die meisten der Männer, Frauen und Kinder trieben sie daraufhin zu Fuß nach Grunewald. Bis März 1945 folgten insgesamt mehr als 180 weitere Transporte aus Berlin in Ghettos sowie ab August 1942 auch auf direktem Weg in Vernichtungslager. Ab 1942 fuhren Deportationszüge auch vom Anhalter Bahnhof und vom Güterbahnhof Moabit ab. Die Planung der Deportationen oblag dem Reichssicherheitshauptamt, für die Durchführung waren die örtlichen Staatspolizeileitstellen zuständig. Bei den Deportationen waren die nationalsozialistischen Behörden auf die Zusammenarbeit mit der Deutschen Reichsbahn angewiesen. Bestanden die Sonderzüge anfangs noch aus älteren Personenzügen, stellte die Reichsbahn ab 1942 vermehrt Güterwaggons für die Deportationen zur Verfügung. Die »Beförderung« der Juden stellte die Bahn der jüdischen Gemeinde in Rechnung - pro gefahrenen Kilometer vier Pfennig für Erwachsene und zwei Pfennig für Kinder über vier Jahren.
Bild:Berlin, 1938, Antisemitische Hetze im Straßenbild, Stiftung Neue Synagoge Berlin – Centrum Judaicum
Berlin, 1938, Antisemitische Hetze im Straßenbild, Stiftung Neue Synagoge Berlin – Centrum Judaicum

Bild:Berlin-Grunewald, 2006, Mahnmal Gleis 17, Stiftung Denkmal
Berlin-Grunewald, 2006, Mahnmal Gleis 17, Stiftung Denkmal
Über 50.000 Juden starben nach Deportationen aus Berlin. Viele Transporte endeten in den Ghettos Theresienstadt, Minsk, Riga, Kaunas und Lodz. Ab Juli 1942 gingen mehrere Transporte mit Berliner Juden direkt nach Auschwitz-Birkenau und in andere Vernichtungslager. Etwa 500 Juden aus Städten und Gemeinden in der Umgebung der Hauptstadt wurden ebenfalls von Berlin aus deportiert.
Bild:Berlin, 1941, Ab September 1941 wird das Tragen eines gelben Sterns Pflicht, Bundesarchiv, Bild 183-B04490A, k.A.
Berlin, 1941, Ab September 1941 wird das Tragen eines gelben Sterns Pflicht, Bundesarchiv, Bild 183-B04490A, k.A.

Bild:Berlin-Grunewald, 2006, Eine der 186 Inschriften des Mahnmals entlang vom Gleis 17, Stiftung Denkmal
Berlin-Grunewald, 2006, Eine der 186 Inschriften des Mahnmals entlang vom Gleis 17, Stiftung Denkmal
Bereits Ende der 1980er Jahre wurde auf Initiative des Landes Berlin ein Wettbewerb für ein Mahnmal zur Erinnerung an die vom Bahnhof Grunewald abgehenden Deportationen ausgeschrieben. Es gewann der Entwurf des polnischen Künstlers Karol Broniatowski. Das Mahnmal – ein 18 Meter langer Betonblock mit darin eingelassenen schemenhaften Umrissen Deportierter - konnte 1991 am historischen Ort eingeweiht werden. Im Zuge der kritischen Auseinandersetzung mit der Funktion der Reichsbahn in der Zeit des Nationalsozialismus beschloss der Vorstand der Deutschen Bahn die Errichtung eines zentralen Denkmals. Den dazu ausgeschriebenen Wettbewerb gewann das Architektenteam »Hirsch, Lorch und Wandel«. Seit 1998 erinnert am S-Bahnhof Grunewald das von ihnen konzipierte Denkmal Gleis 17 an die Deportationstransporte der Reichsbahn von 1941 bis 1945. 186 Stahlgussobjekte, die für die Anzahl der aus Berlin abgehenden Transporte stehen, sind in den Schotter entlang des Gleises 17 eingebettet. Auf ihnen steht das jeweilige Datum des Transports, die Anzahl der Deportierten und die Route der Deportation. Außerdem wurden die ehemaligen Verladerampen auf der Länge von etwa 160 Meter nachgebaut.
Bild:Berlin-Grunewald, 2006, Ansicht des Mahnmals Gleis 17, Stiftung Denkmal
Berlin-Grunewald, 2006, Ansicht des Mahnmals Gleis 17, Stiftung Denkmal

Bild:Berlin-Grunewald, 2006, Das 1991 errichtete Denkmal von Karol Broniatowski, Stiftung Denkmal
Berlin-Grunewald, 2006, Das 1991 errichtete Denkmal von Karol Broniatowski, Stiftung Denkmal
Name
Mahnmal Gleis 17 – Berlin Grunewald
Adresse
Am Bahnhof Grunewald 1
14193 Berlin
Web
http://www.deutschebahn.com/site/bahn/de/konzern/geschichte/themen/mahnmal/mahnmal.html
E-Mail
oeffentlichkeitsarbeit@deutschebahn.com
Öffnungszeiten
Das Denkmal ist jederzeit zugänglich