• Staatliche Gedenkstätte Chatyn
An dem Platz, an dem früher das Dorf Chatyn stand, 60 Kilometer nördlich von Minsk im Logojskij Kreis befindet sich die Staatliche Gedenkstätte Chatyn. 1943 hatten zwei SS-Kommandos das Dorf überfallen und in einer »Vergeltungsaktion« vollständig niedergebrannt. Fast alle Dorfbewohner starben in den Flammen.
Bild:Chatyn, 2010, Auf dem Gelände der Gedenkstätte, Martina Berner
Chatyn, 2010, Auf dem Gelände der Gedenkstätte, Martina Berner

Bild:Chatyn, 2010, Im Zentrum der Gedenkstätte, Christian Dohnke
Chatyn, 2010, Im Zentrum der Gedenkstätte, Christian Dohnke
Am 22. März 1943 überfielen das Schutzmannschafts-Bataillon 118 und das SS-Sonderbataillon »Dirlewanger« das kleine Dorf Chatyn im Gebiet Minsk. Im März 1943 stieß das Schutzmannschafts-Bataillon 118, eine in Kiew aus deutschen Polizisten und Ukrainern zusammengestellte Polizeieinheit von 500 Mann, in der Nähe von Minsk auf Partisanen. Bei den nachfolgenden Gefechten mit den Partisanen musste sich das Schutzmannschafts-Bataillon 118 zurückziehen, der Truppführer des Bataillons wurde getötet. Daraufhin forderte die Einheit Verstärkung an und ihnen wurde das SS-Sonderbataillon »Dirlewanger« zur Seite gestellt. Das SS-Sonderbataillon, benannt nach ihrem Kommandeur Oskar Dirlewanger, war ein 1940 zusammengestellter Verband aus Wilddieben, ehemaligen (kriminellen und »asozialen«) KZ-Häftlingen und Helfern aus den besetzten Gebieten der Sowjetunion. Diese Einheit wurde im Januar 1942 nach Weißrussland versetzt und ermordete dort unter dem Vorwand der »Partisanenbekämpfung« unzählige Zivilisten. Oftmals brannten die Männer des Sonderbataillons ganze Dörfer mitsamt ihrer Bewohner nieder.
Als sich die Partisanen im März 1943 in Richtung Chatyn zurückzogen, suchten die SS-Einheiten nach einem weiteren kurzen Gefecht mit den Partisanen eine Möglichkeit Vergeltung zu üben. Das Schutzmannschafts-Bataillon 118 und SS-Sonderbataillon »Dirlewanger« umstellten das Dorf Chatyn. Daraufhin plünderten sie das Dorf, trieben die etwa 149 Bewohner des Dorfes zusammen und sperrten sie in eine Scheune. Die SS-Leute zündeten das Gebäude an und feuerten mit Gewehren auf diejenigen, die versuchten den Flammen zu entkommen. Vor ihrem Abzug brannten die SS-Einheiten das gesamte Dorf nieder.
Bild:Chatyn, 2010, Auf dem Gelände der Gedenkstätte, Martina Berner
Chatyn, 2010, Auf dem Gelände der Gedenkstätte, Martina Berner

Bild:Chatyn, 2010, Im Zentrum der Gedenkstätte, Christian Dohnke
Chatyn, 2010, Im Zentrum der Gedenkstätte, Christian Dohnke
Im Dorf Chatyn ermordete die SS ungefähr 145 Menschen in einer brennenden Scheune. Unter den Opfern waren etwa 76 Kinder. Nur ein Mann, der Schmied Josif Kaminskij, sowie drei Kinder überlebten das Massaker.
Bild:Chatyn, 2010, Namen von Opfern auf nachgegossener Kamine, Martina Berner
Chatyn, 2010, Namen von Opfern auf nachgegossener Kamine, Martina Berner

Bild:Chatyn, 2010, Symbolischer Friedhof für zerstörte weißrussische Dörfer, Christian Dohnke
Chatyn, 2010, Symbolischer Friedhof für zerstörte weißrussische Dörfer, Christian Dohnke
Nach dem Krieg wurde ein Gedenkstein für die ermordeten Bewohner von Chatyn aufgestellt. 1965 wurde auf Initiative der Kommunistischen Partei Weißrusslands ein Wettbewerb zur Neugestaltung einer Gedenkstätte ausgeschrieben. Den Wettbewerb gewann ein Architektenteam, das aus Ju. Gradow, W. Sankowitsch und Leonid Lewin bestand. Anlässlich des 25. Jahrestages der Befreiung Weißrusslands von deutschen Truppen wurde am 5. Juli 1969 die Staatliche Gedenkstätte am Ort des früheren Dorfes eröffnet. Das etwa 30 ha große Gelände der Gedenkstätte empfindet das ehemalige Dorf nach: Auf der Erde symbolisieren Betonbalken die Umrisse der ehemaligen 26 Häuser des Dorfes an ihren jeweiligen Standorten. Auf jedem dieser angedeuteten Häuser steht ein stilisierter Schornstein aus Beton. Auf Tafeln sind die Zahl und das Alter der Opfer des Hauses genannt. Auch eine aus Beton stilisierte Scheune befindet sich auf dem Gelände, sowie ein Brunnen und ein Zauntor. Im Zentrum der Gedenkstätte steht eine sechs Meter hohe Bronzeplastik, die den Überlebenden Josif Kaminskij darstellt. In seinen Armen trägt er seinen toten Sohn. In der Nähe befindet sich auf dem Gelände eine große liegende Betonstele, auf der ein Appell an die »Nachgeborenen« zu lesen ist, sie markiert das Massengrab für die Dorfbewohner. Zudem gibt es einen »Friedhof der Dörfer«, 185 Betonblöcke tragen die Namen von 185 weißrussischen Dörfern, die niedergebrannt und nicht wiederaufgebaut wurden. »Symbolische Bäume des Lebens« nennen dagegen auf ihren »Ästen« die Namen von 433 weißrussischen Dörfern, die abgebrannt, jedoch wieder aufgebaut wurden.
Eine mehrere Meter lange »Andenkenwand« aus Beton nennt zudem über 260 Vernichtungsstätten und Zwangslager auf weißrussischem Boden. Ein weiteres Element der Gedenkstätte ist die ewige Flamme, die daran erinnert, dass jeder vierte Einwohner Weißrusslands Opfer des Zweiten Weltkrieges wurde.
Heute ist die Anlage eine der wichtigsten Gedenkstätten des Staates Weißrussland.
Bild:Chatyn, 2010, Darstellung des Überlebenden Josif Kaminskij mit totem Sohn, Christian Dohnke
Chatyn, 2010, Darstellung des Überlebenden Josif Kaminskij mit totem Sohn, Christian Dohnke

Bild:Chatyn, 2010, Namen zerstörter weißrussischer Dörfer, Christian Dohnke
Chatyn, 2010, Namen zerstörter weißrussischer Dörfer, Christian Dohnke
Name
Gosudarstwennyj memorial'nyj kompleks Chatyn
Adresse
Logojskij Kreis, Minskaja Gebiet
223110 Chatyn
Telefon
+375 (80)177 455 787
Web
http://www.khatyn.by
Öffnungszeiten
Die Gedenkstätte ist durchgängig geöffnet. Fotoausstellung: Dienstag bis Sonntag: 9.00 bis 17.00