• Denkmalanlage Babij Jar
In der Schlucht Babij Jar (ukrainisch: Babyn Jar), 7 Kilometer nördlich vom Stadtzentrum der ukrainischen Hauptstadt Kiew (ukrainisch: Kyjiw) entfernt, erinnern mehrere Denkmale an die größte einzelne Massenerschießung von Juden während des Zweiten Weltkriegs. Im September 1941 erschoss die Einsatzgruppe C mindestens 33.000 Juden in Babij Jar.
Bild:Babij Jar, Ende September 1941, Ordnungspolizei durchsucht die Kleidung ermordeter Juden, Hamburger Institut für Sozialforschung
Babij Jar, Ende September 1941, Ordnungspolizei durchsucht die Kleidung ermordeter Juden, Hamburger Institut für Sozialforschung

Bild:Babij Jar, 2004, Das 1976 errichtete Denkmal, Stiftung Denkmal, Lutz Prieß
Babij Jar, 2004, Das 1976 errichtete Denkmal, Stiftung Denkmal, Lutz Prieß
Vor der Besetzung durch deutsche Truppen lebten in Kiew ungefähr 220.000 Juden, etwas weniger als ein Viertel der Gesamtbevölkerung. Etwa 70.000 Juden flohen vor der anrückenden Wehrmacht nach Osten. Am 19. September 1941 besetzte die 6. Armee der Wehrmacht Kiew. Ihnen folgte das Sonderkommando 4a unter Paul Blobel und wenig später die gesamte Einsatzgruppe C. Nachdem einige vom NKWD zurückgelassene und ferngezündete Sprengsätze in mehreren Gebäuden explodierten, planten die örtliche Führung der Wehrmacht und der SS unter dem Vorwand einer »Vergeltungsmaßnahme« die Ermordung der Kiewer Juden. Der Stadtkommandant Generalmajor Kurt Eberhard stimmte den Mordplänen ausdrücklich zu – in einem Bericht der SS hieß es, die Wehrmacht erbitte »radikales Vorgehen«. Am Morgen des 29. September, dem jüdischen Feiertag Jom Kippur, mussten sich die Juden von Kiew zu ihrer angeblichen »Umsiedlung« an einem Sammelplatz einfinden. Über 33.000 jüdische Frauen, Kinder und Männer trieb das Sonderkommando 4a der Einsatzgruppe C unter Mithilfe ukrainischer Milizen und Wehrmachtssoldaten zur Schlucht Babij Jar am Stadtrand von Kiew. Dort mussten sich die Juden entkleiden und ihre Wertsachen abgeben. Dann wurden sie gezwungen, in Zehnerreihen an den Rand der Schlucht zu treten, Angehörige des Sonderkommandos 4a erschossen sie mit Maschinengewehren. Das Morden dauerte noch den ganzen folgenden Tag an, Heerespioniere sprengten die Schlucht anschließend. Immer wieder ermordete die SS auch Kriegsgefangene und Roma in Babij Jar. Im Sommer 1943 kehrte Paul Blobel mit dem Sonderkommando 1005 nach Babij Jar zurück. Diese Einheit hatte den Auftrag die Spuren der Morde vor der anrückenden Roten Armee zu verwischen: Jüdische Zwangsarbeiter mussten die bereits verwesten Leichen ausgraben und verbrennen. Das Massaker von Babij Jar gilt als die größte einzelne Massenerschießung während des Holocaust.
Bild:Babij Jar, Ende September 1941, Ordnungspolizei durchsucht die Kleidung ermordeter Juden, Hamburger Institut für Sozialforschung
Babij Jar, Ende September 1941, Ordnungspolizei durchsucht die Kleidung ermordeter Juden, Hamburger Institut für Sozialforschung

Bild:Babij Jar, 2004, Das 1976 errichtete Denkmal, Stiftung Denkmal, Lutz Prieß
Babij Jar, 2004, Das 1976 errichtete Denkmal, Stiftung Denkmal, Lutz Prieß
Nach ihren eigenen Angaben ermordete die Einsatzgruppe C 33.771 jüdische Kinder, Frauen und Männer an den Tagen 29. und 30. September 1941 in Babij Jar.
Bild:Kiew, Ende September 1941, Erschossene auf der Marschstrecke nach Babij Jar, Hamburger Institut für Sozialforschung
Kiew, Ende September 1941, Erschossene auf der Marschstrecke nach Babij Jar, Hamburger Institut für Sozialforschung

Bild:Babij Jar, o.D., Gedenkfeier am Denkmal für die Opfer von Babij Jar, ITAR-TASS
Babij Jar, o.D., Gedenkfeier am Denkmal für die Opfer von Babij Jar, ITAR-TASS
Nach Ende des Zweiten Weltkriegs wurde in Babij Jar jahrzehntelang kein Denkmal errichtet. Stattdessen ließ die Führung der Kommunistischen Partei der Ukraine die Schlucht 1962 einebnen und einen Kulturpark auf dem Gelände anlegen. Auf Druck aus dem Ausland und von Überlebenden hin, wurde am 29. September 1976, dem 35. Jahrestag der Morde, ein Denkmal eingeweiht. Da sich auf dem Gelände der Schlucht der Kulturpark befindet, errichteten die Behörden das Denkmal ein wenig von Babij Jar entfernt und deuteten die ehemalige Schlucht durch eine Bodenaushebung an. In der Inschrift des Denkmals wurden jüdische Opfer nicht erwähnt. 1991 fand die erste offiziell gebilligte Gedenkfeier für die jüdischen Opfer von Babij Jar statt, eine Inschrift zum Gedenken der ermordeten Juden von Kiew wurde ergänzt. In der Nähe der ehemaligen Schlucht wurde ebenfalls in dieser Zeit eine Menora aus Stein aufgestellt. Seitdem sind mehrere zusätzliche Denkmäler aufgestellt wurden, so zum Beispiel 2001 in Erinnerung an die ermordeten Kinder und 2016 im Gedenken an die ermordeten Roma. Eine einheitliche Gedenkstätte gibt es bis heute nicht.
Bild:Babij Jar, 2004, Denkmal für die in Babij Jar ermordeten Kinder, Stiftung Denkmal, Lutz Prieß
Babij Jar, 2004, Denkmal für die in Babij Jar ermordeten Kinder, Stiftung Denkmal, Lutz Prieß

Bild:Babij Jar, 2004, Menora aus den frühen 1990er Jahren, Stiftung Denkmal, Lutz Prieß
Babij Jar, 2004, Menora aus den frühen 1990er Jahren, Stiftung Denkmal, Lutz Prieß
Bild:Babij Jar, 2016, Das 1976 errichtete Denkmal, Stiftung Denkmal
Babij Jar, 2016, Das 1976 errichtete Denkmal, Stiftung Denkmal
Bild:Babij Jar, 2016, Detailansicht des sowjetischen Denkmals, Stiftung Denkmal
Babij Jar, 2016, Detailansicht des sowjetischen Denkmals, Stiftung Denkmal
Bild:Babij Jar, 2016, Die Menora wenige Tage nach der Gedenkfeier zum 75. Jahrestag des Massakers, Stiftung Denkmal
Babij Jar, 2016, Die Menora wenige Tage nach der Gedenkfeier zum 75. Jahrestag des Massakers, Stiftung Denkmal
Bild:Babij Jar, 2016, Denkmal für die ermordeten Roma, Stiftung Denkmal
Babij Jar, 2016, Denkmal für die ermordeten Roma, Stiftung Denkmal
Name
Memorialnyj Kompleks Babij Jar
Adresse
Dorogoshizka-Str.
01030 Kyjiw
Telefon
+380 (0)442 488 917
Fax
+380 (0)442 488 917
Öffnungszeiten
Die Denkmalanlage ist jederzeit zugänglich.