• Denkmal der Jüdischen Märtyrer von Ioannina
Am 25. März 1944 deportierten Einheiten der Wehrmacht alle jüdischen Einwohner Ioanninas. Die meisten von ihnen wurden sofort nach ihrer Ankunft im Vernichtungslager Auschwitz-Birkenau in den Gaskammern ermordet. In der Stadt erinnert ein Denkmal an das Schicksal der einstigen jüdischen Gemeinde.
Bild:Ioannina, o.D., Ansicht der Stadt, Benaki Museum
Ioannina, o.D., Ansicht der Stadt, Benaki Museum

Bild:Ioannina, 2004, Gesamtansicht des Denkmals für die deportierten Juden, Alexios Menexiadis
Ioannina, 2004, Gesamtansicht des Denkmals für die deportierten Juden, Alexios Menexiadis
Ioannina ist mit ihren knapp 100.000 Einwohnern die Hauptstadt der Region Epirus im Nordwesten Griechenlands. Bis 1944 lebte hier in einem eigenen Stadtviertel eine jüdische Gemeinde, deren Wurzeln bis in die Antike zurückreichten. Im Unterschied zu der Mehrheit der Juden Griechenlands, den gegen Ende des 15. Jahrhunderts aus Spanien eingewanderten Sepharden, waren die Juden Ioanninas Romanioten. Sie sprachen Griechisch mit Elementen des Hebräischen, Italienischen und Türkischen.
Von Mai 1941 bis September 1943 stand Ioannina unter italienischer Besatzung. Nachdem Italien die Fronten wechselte, übernahm im September 1943 die deutsche Wehrmacht die Kontrolle über dessen Besatzungszone. Kurz darauf begannen die neuen Besatzungsbehörden auch in der Region Epirus alle Juden zu erfassen. Die Deportation der Juden Ioanninas wurde nicht wie anderswo in Griechenland durch das Reichssicherheitshauptamt, sondern vom XXII. Gebirgsarmeekorps der Wehrmacht vorbereitet. Die Juden aus Ioannina wähnten sich jedoch lange in Sicherheit. Viele gingen auch aufgrund deutscher Beteuerungen davon aus, dass nur sephardische Juden deportiert würden. Umso überraschender traf die jüdische Gemeinde der Befehl des Majors der Ordnungspolizei am frühen Morgen des 25. März 1944, binnen drei Stunden ihre Häuser zu verlassen und sich an Sammelplätzen einzufinden. Angehörige der Ordnungspolizei, der Feldgendarmerie und der Geheimen Feldpolizei umstellten mit Hilfe von griechischen Polizisten das jüdische Viertel, um Fluchtversuche zu verhindern. Bei winterlichen Temperaturen zwangen sie die Kinder, Frauen und Männer die bereitstehenden offene Lastwagen zu besteigen, die sie in die Stadt Larissa bringen sollten. Von Larissa aus ging die Deportation nach Auschwitz-Birkenau mit der Eisenbahn weiter. Die Fahrt dauerte Tage. Die meisten Deportierten wurden sofort nach ihrer Ankunft in die Gaskammern geführt und ermordet.
Bild:Ioannina, o.D., Ansicht der Stadt, Benaki Museum
Ioannina, o.D., Ansicht der Stadt, Benaki Museum

Bild:Ioannina, 2004, Gesamtansicht des Denkmals für die deportierten Juden, Alexios Menexiadis
Ioannina, 2004, Gesamtansicht des Denkmals für die deportierten Juden, Alexios Menexiadis
Beinahe alle jüdischen Einwohner Ioanninas, etwa 1.750 Kinder, Frauen und Männer deportierte die Wehrmacht im März 1944 nach Auschwitz. Trotz der Drohung der Deutschen, jüdische Geiseln zu erschießen, waren einige Juden in die nahen Berge geflohen. Dort schlossen sich viele Partisanengruppen an. Bereits während der italienischen Besatzung hatten sich über 100 Juden aus der Stadt in die Berge abgesetzt.
Bild:Ioannina, 25. März 1944, Gruppe jüdischer Frauen und Kinder besteigt den LKW zur Deportation, Bundesarchiv, Bild 101I-179-1575-18
Ioannina, 25. März 1944, Gruppe jüdischer Frauen und Kinder besteigt den LKW zur Deportation, Bundesarchiv, Bild 101I-179-1575-18

Bild:Ioannina, 2004, Denkmalsinschrift zur Erinnerung an die deportierten Juden von Ioannina, Alexios Menexiadis
Ioannina, 2004, Denkmalsinschrift zur Erinnerung an die deportierten Juden von Ioannina, Alexios Menexiadis
Das Denkmal zur Erinnerung an die deportierten Juden Ioanninas, das an der Mauer zum alten jüdischen Viertel steht, wurde auf Initiative der Stadt errichtet und 1994 eingeweiht. Es besteht aus symbolischen Thorarollen aus Metall. Jedes Jahr am 27. Januar, dem offiziellen Holocaustgedenktag in Griechenland, findet am Denkmal eine Gedenkfeier statt.
Außer dem Denkmal erinnert nur noch wenig an die einst blühende romaniotische Gemeinde Ioanninas. Eine Ausnahme ist die um 1826 in der Zitadelle errichtete Alte Synagoge. Sie ist heute eines der größten und berühmtesten jüdischen Gebetshäuser Griechenlands.
Bild:Ioannina, 2004, Übersetzung der Inschrift des Denkmals, Alexios Menexiadis
Ioannina, 2004, Übersetzung der Inschrift des Denkmals, Alexios Menexiadis

Bild:Ioannina, 2010, Innenraum der Alten Synagoge, Daniel Reiser
Ioannina, 2010, Innenraum der Alten Synagoge, Daniel Reiser
Name
Mnimeio Ewreon Martyron Ioanninon
Telefon
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Fax
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