• Gedenkstätte Leitmeritz
Auf dem Gelände des ehemaligen Konzentrationslagers Leitmeritz erinnert eine Gedenkstätte an das Schicksal der Häftlinge.
Bild:Leitmeritz, 1945, Wachturm des ehemaligen Konzentrationslagers kurz nach der Befreiung, Archiv Památníku Terezín
Leitmeritz, 1945, Wachturm des ehemaligen Konzentrationslagers kurz nach der Befreiung, Archiv Památníku Terezín

Bild:Leitmeritz, 2008, Denkmal von Jiři Sozanský neben dem ehemaligen Krematorium,  Archiv Památníku Terezín
Leitmeritz, 2008, Denkmal von Jiři Sozanský neben dem ehemaligen Krematorium, Archiv Památníku Terezín
Die Kleinstadt Leitmeritz liegt im damals überwiegend von Deutschen bewohnten Sudetengebiet, das nach dem Münchner Abkommen im Herbst 1938 vom Deutschen Reich annektiert wurde.
In der Endphase des Zweiten Weltkrieges beschloss die nationalsozialistische Führung, wegen der alliierten Luftangriffe Teile der Rüstungsproduktion in unterirdische Fabriken zu verlegen. Ab Frühjahr 1944 wurde der Steinbruch von Leitmeritz zu einer solchen Produktionsstätte umgebaut, ein Konzentrationslager entstand als Außenlager des KZ Flossenbürg. Zwei Bauvorhaben sollten hier vorangetrieben werden: Im »Richard I« sollten Panzermotoren für die Elsabe AG hergestellt, in »Richard II« die Produktion des Berliner Konzerns Osram verlegt werden.
Der erste Transport mit 500 Häftlingen aus dem KZ Dachau erreichte Leitmeritz am 24. März 1944. Da es zunächst keine Unterkünfte gab, wurden diese ersten Häftlinge 7 km entfernt in der Kleinen Festung, dem Gestapogefängnis in Theresienstadt, untergebracht. Im Sommer 1944 errichteten Häftlinge ein Lager in unmittelbarer Nähe zum Steinbruch. Insgesamt 18.000 Häftlinge durchliefen das KZ Leitmeritz, die meisten Transporte kamen aus dem Stammlager Flossenbürg sowie aus den KZ Groß-Rosen, Auschwitz-Birkenau und Dachau. Etwa die Hälfte waren Polen, weitere große Häftlingsgruppen stammten aus der Sowjetunion, Deutschland, Ungarn, Frankreich und Jugoslawien. Ungefähr 4.000 Juden deportierte die SS nach Leitmeritz, die meisten aus Polen, einige auch aus Ungarn. Seit Februar 1945 waren auch hunderte Frauen zur Zwangsarbeit in Leitmeritz gezwungen.
Aufgrund der schlechten Lebensbedingungen und vieler Epidemien war die Sterblichkeit im Lager sehr hoch. Auch die Rüstungsproduktion stockte oft wegen des schlechten Gesundheitszustands der Häftlinge.
Im April 1945 begann die SS unter chaotischen Bedingungen mit der Auflösung des Lagers. Etwa 1.200 Häftlinge blieben zurück. Diese wurden schließlich in den letzten Kriegstagen von der sowjetischen Armee befreit.
Bild:Leitmeritz, 1945, Wachturm des ehemaligen Konzentrationslagers kurz nach der Befreiung, Archiv Památníku Terezín
Leitmeritz, 1945, Wachturm des ehemaligen Konzentrationslagers kurz nach der Befreiung, Archiv Památníku Terezín

Bild:Leitmeritz, 2008, Denkmal von Jiři Sozanský neben dem ehemaligen Krematorium,  Archiv Památníku Terezín
Leitmeritz, 2008, Denkmal von Jiři Sozanský neben dem ehemaligen Krematorium, Archiv Památníku Terezín
Etwa 4.500 Häftlinge verloren ihr Leben in Leitmeritz, 3.200 von ihnen sind namentlich bekannt. Viele starben an einer Ruhrepidemie im Winter 1944/45. Die Leichen ließ die SS zunächst im Krematorium von Theresienstadt verbrennen, später wurde in Leitmeritz ein eigenes Krematorium gebaut. Seine Kapazität reichte jedoch nicht aus, so dass viele Leichen in Massengräbern bestattet wurden.
Tausende Häftlinge starben in anderen Konzentrationslagern wie etwa Bergen-Belsen, nachdem sie die SS in Krankentransporten aus Leitmeritz weggeschickt hatte.
Bild:Leitmeritz, 1946, Exhumierung des größten Massengrabes in der Nähe des ehemaligen Konzentrationslagers, Archiv Památníku Terezín
Leitmeritz, 1946, Exhumierung des größten Massengrabes in der Nähe des ehemaligen Konzentrationslagers, Archiv Památníku Terezín

Bild:Leitmeritz, 2008, Innenansicht des Krematoriums,  Archiv Památníku Terezín
Leitmeritz, 2008, Innenansicht des Krematoriums, Archiv Památníku Terezín
Nach dem Krieg transportierte die Rote Armee die Fabrikeinrichtung und die Maschinen ab. 1946 wurde das Massengrab in der Nähe des Lagers geöffnet, die gefundenen Leichen wurden exhumiert und wieder bestattet. 1992 wurde ein Denkmal für die Opfer des Konzentrationslagers neben dem ehemaligen Lagerkrematorium eingeweiht. Es wurde vom tschechischen Künstler Jiři Sozanský entworfen. Das Denkmal befindet sich in der Trägerschaft der Gedenkstätte Theresienstadt, wo es eine Dauerausstellung zum Außenlager Leitmeritz gibt.
Bild:Leitmeritz, o.D., Der Eingang zu »Richard I« auf einem Bild aus den Nachkriegsjahren, Archiv Památníku Terezín
Leitmeritz, o.D., Der Eingang zu »Richard I« auf einem Bild aus den Nachkriegsjahren, Archiv Památníku Terezín

Bild:Leitmeritz, 2008, Denkmal von Jiři Sozanský neben dem ehemaligen Krematorium,  Archiv Památníku Terezín
Leitmeritz, 2008, Denkmal von Jiři Sozanský neben dem ehemaligen Krematorium, Archiv Památníku Terezín
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