• Gedenkstätte Plötzensee
Im Berliner Strafgefängnis Plötzensee wurden zwischen 1933 bis 1945 politische Gegner des nationalsozialistischen Regimes hingerichtet. Am historischen Ort erinnert die Gedenkstätte Deutscher Widerstand mit einer Ausstellung an die Opfer der NS-Justiz.
Bild:Berlin, vor 1945, Luftaufnahme des Strafgefängnisses, links der »Hinrichtungsschuppen«, Gedenkstätte Deutscher Widerstand
Berlin, vor 1945, Luftaufnahme des Strafgefängnisses, links der »Hinrichtungsschuppen«, Gedenkstätte Deutscher Widerstand

Bild:Berlin, 2010, Gedenkmauer in der Gedenkstätte Plötzensee, Stiftung Denkmal
Berlin, 2010, Gedenkmauer in der Gedenkstätte Plötzensee, Stiftung Denkmal
Das seit 1897 bestehende Berliner Staatsgefängnis Plötzensee nutzten die Nationalsozialisten ab 1933 als Strafgefängnis und zentrale Hinrichtungstätte. Bereits seit Ende des 19. Jahrhunderts veranlasste die Justiz des Deutschen Reiches an diesem Ort die Vollstreckung von Todesurteilen. Die Strafvollzugsanstalt Plötzensee erwies sich aufgrund ihrer Größe für besonders geeignet, eine hohe Anzahl von Häftlingen aufnehmen zu können. Ab 1933 verfolgte das NS-Regime in zunehmendem Maße politische Gegner. In den Anfangsjahren wurden vor allem Kommunisten und Sozialdemokraten von verschiedenen Gerichten zu langen Haftstrafen oder zum Tode verurteilt. Plötzensee übernahm in dieser Zeit auch die Funktion eines Untersuchungsgefängnisses für politische Strafverfahren. Etwa ab 1940 wurde die Todesstrafe immer öfter und auch bei kleineren Strafdelikten verhängt. Allein 1943 fanden in Plötzensee über 1.100 Hinrichtungen statt. Bei vielen der hier Getöteten handelte es sich um Mitglieder der Widerstandsgruppen »Rote Kapelle« und »Kreisauer Kreis«. Oftmals waren diese Menschen von der Gestapo vor der Inhaftierung verhört und schwer misshandelt worden. In den Monaten nach dem missglückten Attentat auf Adolf Hitler starben in Plötzensee viele Personen, die an den Plänen des Umsturzversuches vom 20. Juli 1944 beteiligt waren. Hinrichtungen erfolgten durch das Fallbeil oder durch Erhängen im so genannten »Totenhaus« - einem kleineren Ziegelschuppen auf dem Gelände. In einem abgetrennten fensterlosen Raum befanden sich das Fallbeil sowie ein Stahlträger, an dem bis zu acht Menschen gleichzeitig erhängt werden konnten. Nachdem im September 1943 der Gefängniskomplex durch Bomben getroffen wurde, kam es hier in den so genannten »Blutnächten« zu vielen Hinrichtungen. Um sie an der Flucht zu hindern ließen die Verantwortlichen innerhalb weniger Tage etwa 250 Häftlinge erhängen.
Bild:Berlin, vor 1945, Luftaufnahme des Strafgefängnisses, links der »Hinrichtungsschuppen«, Gedenkstätte Deutscher Widerstand
Berlin, vor 1945, Luftaufnahme des Strafgefängnisses, links der »Hinrichtungsschuppen«, Gedenkstätte Deutscher Widerstand

Bild:Berlin, 2010, Gedenkmauer in der Gedenkstätte Plötzensee, Stiftung Denkmal
Berlin, 2010, Gedenkmauer in der Gedenkstätte Plötzensee, Stiftung Denkmal
Insgesamt etwa 2.890 Menschen wurden in der Strafvollzugsanstalt Plötzensee in der Zeit von 1933 bis 1945 hingerichtet. Zu ihnen zählten viele politisch Verfolgte aus ganz Deutschland. Etwa die Hälfte der Getöteten stammte aus den besetzten Ländern Europas, davon knapp die Hälfte aus der Tschechoslowakei. Unter den tschechischen Opfern befanden sich zahlreiche Personen des Widerstandes, die der »Volksgerichtshof« in Berlin zum Tode verurteilt hatte. Auch viele ausländische Zwangsarbeiter und Kriegsgefangene starben in Berlin-Plötzensee.
Bild:Berlin, 2010, Hinrichtungsstäte, heute Gedenkraum, Stiftung Denkmal
Berlin, 2010, Hinrichtungsstäte, heute Gedenkraum, Stiftung Denkmal

Bild:Berlin, 2010, Gebäude der Hinrichtungsstätte, Stiftung Denkmal
Berlin, 2010, Gebäude der Hinrichtungsstätte, Stiftung Denkmal
Auf dem Gelände des ehemaligen Staatsgefängnisses befindet sich auch heute eine Justizvollzugsanstalt. 1951 beschloss der Senat von Berlin (West) rund um den ehemaligen Ziegelschuppen, in dem die Hinrichtungen stattfanden, eine Gedenkstätte einzurichten. Sie wurde 1951/52 konzipiert und im selben Jahr eingeweiht. Der Raum, in dem die Hinrichtungen stattfanden, ist heute Gedenkraum. Die Gedenkstätte wird von der Gedenkstätte Deutscher Widerstand betreut. In den Jahren 2002/2003 erfolgte die denkmalgerechte Rekonstruierung des Gedenkortes. Seit 2003 ist dort eine Dauerausstellung mit dem Titel »Dokumentation zur Todesstrafe in Plötzensee« zu sehen.
Bild:Berlin, 2010, Urne mit Erde aus deutschen Konzentrationslagern, Stiftung Denkmal
Berlin, 2010, Urne mit Erde aus deutschen Konzentrationslagern, Stiftung Denkmal

Bild:Berlin, 2010, Ausstellung in der Gedenkstätte Plötzensee, Stiftung Denkmal
Berlin, 2010, Ausstellung in der Gedenkstätte Plötzensee, Stiftung Denkmal
Name
Gedenkstätte Plötzensee
Adresse
Hüttigpfad
13627 Berlin
Telefon
+49 (0)30 269 950 00
Fax
+49 (0)30 269 950 10
Web
http://www.gedenkstaette-ploetzensee.de
E-Mail
info@gdw-berlin.de
Öffnungszeiten
März bis Oktober täglich 9.00 bis 17.00, November bis Februar täglich 9.00 bis 16.00
Angebot
Dauerausstellung, mehrsprachige Broschüre