• Denkmal Neue Synagoge Breslau
Am Standort der Neuen Synagoge in der schlesischen Metropole Breslau (polnisch: Wrocław) erinnert ein Gedenkstein an ihre Zerstörung in der Nacht vom 9. auf den 10. November 1938 und die Opfer des Holocaust.
Bild:Breslau, vor 1938, Die Neue Synagoge, Herder-Institut Marburg, Bildarchiv
Breslau, vor 1938, Die Neue Synagoge, Herder-Institut Marburg, Bildarchiv

Bild:Breslau, 2010, Denkmal Neue Synagoge, Stiftung Denkmal, Barbara Kurowska
Breslau, 2010, Denkmal Neue Synagoge, Stiftung Denkmal, Barbara Kurowska
Mitte der 1920er Jahre verfügte das schlesische Breslau – nach Berlin und Frankfurt am Main – mit 23.240 Mitgliedern über die drittgrößte jüdische Gemeinde im Deutschen Reich. Ab Januar 1933 war es das erklärte Ziel Hitlers und seiner NSDAP, die Juden aus dem Land zu vertreiben. In Breslau erfolgten die antijüdischen Maßnahmen wie überall: von Aktionen wie dem zentral gesteuerten »Judenboykott« am 1. April 1933 bis hin zur offenen Gewalt, als SA-Leute in der Nacht vom 9. auf den 10. November 1938 die große, 1872 geweihte Neue Synagoge am Anger 8 mit ihren 2.000 Plätzen in Brand setzten. Anschließend nahm die Gestapo in Breslau 2.471 jüdische Männer fest und verbrachte sie in das Konzentrationslager Buchenwald. Mitte Mai 1939 lebten nur noch knapp 11.200 Juden in ihrer Heimatstadt. Zu diesem Zeitpunkt wurden 2.000 Breslauer Juden in die Sammellager Tormersdorf bei Görlitz, Grüssau bei Landeshut und Riebnig bei Brieg verschleppt. Die Verfolgungsmaßnahmen gipfelten in der ersten großen Deportation von 1.005 Juden am 25. November 1941 nach Kowno (litauisch: Kaunas). Im dortigen IX. Fort erschoss das deutsch-litauische Einsatzkommando 3 vier Tage später alle Deportierten. Weitere Transporte gingen in den polnischen Distrikt Lublin, in das Ghettolager Theresienstadt, nach Auschwitz-Birkenau sowie noch Ende 1944/Anfang 1945 in das Konzentrationslager Groß-Rosen und seine Zwangsarbeitskommandos. Nach schwersten Bombenangriffen und Artilleriebeschuss durch die Sowjets kapitulierte die »Festung« Breslau am 6. Mai 1945. Etwa 1.000 deutsche Juden, Überlebende des Holocaust, lebten noch am Ort, kehrten zurück oder kamen aus Lagern dorthin. Als Folge des Potsdamer Abkommens vom Sommer 1945 stand Schlesien nunmehr offiziell »unter polnischer Verwaltung«, und die neuen Behörden vertrieben die Juden wie die übrige deutsche Bevölkerung. Auch die meisten der zeitweise bis zu 90.000 angesiedelten polnischen Juden verließen Breslau und Niederschlesien bis 1948 wieder.
Bild:Breslau, vor 1938, Die Neue Synagoge, Herder-Institut Marburg, Bildarchiv
Breslau, vor 1938, Die Neue Synagoge, Herder-Institut Marburg, Bildarchiv

Bild:Breslau, 2010, Denkmal Neue Synagoge, Stiftung Denkmal, Barbara Kurowska
Breslau, 2010, Denkmal Neue Synagoge, Stiftung Denkmal, Barbara Kurowska
Gestapo und SS verschleppten zwischen 1941 und 1945 etwa 10.000 jüdische Kinder, Frauen und Männer aus Breslau in deutsche Vernichtungsstätten und Lager im besetzten Osten, hunderte Breslauer Juden begingen Selbstmord oder kamen bei Zwangsarbeit und in Konzentrationslagern gewaltsam zu Tode. Tausende wurden von 1933 bis 1941 aus ihrer schlesischen Heimatstadt vertrieben, etwa 1.000 Überlebende 1945 und in den folgenden Jahren von den polnischen Behörden zwangsausgesiedelt.
Bild:Breslau, wahrscheinlich Ende November 1941, Juden in einem als »Endsammelstelle« genutzten Biergarten am Schießwerder vor ihrer Deportation vom nahegelegenen Odertorbahnhof aus, Yad Vashem
Breslau, wahrscheinlich Ende November 1941, Juden in einem als »Endsammelstelle« genutzten Biergarten am Schießwerder vor ihrer Deportation vom nahegelegenen Odertorbahnhof aus, Yad Vashem

Bild:Breslau, 1939, Vom Polizeipräsidenten ausgestellte Kennkarte für den zehnjährigen Klaus »Israel« Aufrichtig, Kenneth James Arkwright
Breslau, 1939, Vom Polizeipräsidenten ausgestellte Kennkarte für den zehnjährigen Klaus »Israel« Aufrichtig, Kenneth James Arkwright
Die neue Synagoge zu Breslau mit ihrer 60 Meter hohen Kuppel – nach der Neuen Synagoge in Berlin die zweitgrößte im Deutschen Reich – wurde im Anschluss an die Pogromnacht im November 1938 abgetragen. Mit dem Potsdamer Abkommen vom Sommer 1945 übergaben die Siegermächte den Großteil der preußischen Provinz Schlesien mit seiner Hauptstadt Breslau an Polen, das dieses Gebiet als »wiedergewonnen« betrachtete und alle deutschen, nichtjüdische wie jüdische, Spuren zu tilgen versuchte. Erst nach dem Zusammenbruch der kommunistischen Diktatur im Jahr 1989 entwickelte sich ein offener Umgang mit der Jahrhunderte alten Stadtgeschichte. Dieser Annäherung ist auch der deutsch-polnisch-hebräische Gedenkstein am Standort der Neuen Synagoge zu verdanken, der – mit einem Bild des Gotteshauses und den Jahreszahlen 1872 (Weihe des Tempels) und 1938 (Zerstörung in der Pogromnacht) versehen – die Inschrift trägt: »Sie legten an das Heiligtum Feuer, entweihten die Wohnung deines Namens bis auf dem Grund. Ps. 74,7. An dieser Stelle stand bis zum 9. November 1938 die größte Synagoge der jüdischen Gemeinde der Stadt Breslau. In dieser Nacht wurde sie vom nationalsozialistischen Regime niedergebrannt. Mit diesem Akt der Zerstörung begann der Mord der jüdischen Kinder, Frauen und Männer Breslaus. Ehret Ihr Andenken!«
Die kleine jüdische Gemeinde im heutigen Breslau zählt noch etwa 290 Mitglieder – und stellt damit bereits die zweitgrößte Polens dar. Das 1924 errichtete Gemeindearchiv der deutschen Juden blieb erhalten und lagert seit 1945 im Jüdischen Historischen Institut Warschau. Die größte Synagoge der Stadt heute ist wieder die 1829 geweihte Storch-Synagoge. Nach dem Krieg blieb sie eine Ruine, bis sie 2010 nach umfassender Renovierung wieder eröffnet wurde.
2011 veröffentlichte die Stiftung Denkmal in ihrer Buchreihe die Erinnerungen des 1929 als Klaus Aufrichtig in Breslau geborenen Kenneth James Arkwright.
Bild:Breslau, 2010, Denkmal Neue Synagoge, Stiftung Denkmal, Barbara Kurowska
Breslau, 2010, Denkmal Neue Synagoge, Stiftung Denkmal, Barbara Kurowska

Bild:Breslau, 2010, Die wiedereröffnete Storch-Synagoge, Stiftung Denkmal, Barbara Kurowska
Breslau, 2010, Die wiedereröffnete Storch-Synagoge, Stiftung Denkmal, Barbara Kurowska
Name
Pomnik w miejscu Nowej Synagogi
Adresse
Łąkowa 8
50-036 Wrocław
Öffnungszeiten
Das Denkmal ist jederzeit zugänglich.